Der „Compadre“ von den Kaffeemachern: Ein italienischer Espresso mit brasilianischer Seele
von Sascha
Der „Compadre“ ist die ganz persönliche Interpretation eines klassischen, italienischen Espressos der Kaffeemacher. Ein Kaffee, der schnörkellos, wuchtig und gleichzeitig cremig auftritt.
Herkunft und Anbau: Ein 50/50-Blend aus Espírito Santo
Die Bohnen für den Compadre stammen zu 100 % aus Espírito Santo in Brasilien – einer Region, die stark von italienischen Einwanderern geprägt ist, die Ende des 19. Jahrhunderts dort die Kaffeeproduktion aufbauten. Für diesen Blend schließen sich gewissermaßen historische Kreise, denn er wird von zwei Familien mit italienischen Wurzeln produziert:
- Der Arabica-Anteil (50 %): Stammt von der Familie Romão von der Farm Sitio Bela Vista. Diese Farm liegt in der Bergregion (Montanhas Capixabas) um Castelo auf rund 1.200 Metern Höhe. Angebaut werden die Varietäten Catuaí 81 und Catucaí 785.
- Der Robusta-Anteil (50 %): Handelt es sich um hochwertigen brasilianischen Conilon. Er wird von der Familie Magiero auf der Farm Água Boa in den tiefer gelegenen Ebenen (80 Meter über dem Meer) von São Mateus angebaut.
Beide Kaffees werden im „pulped natural“-Verfahren aufbereitet, also entpulpt und mit der klebrigen Mucilage-Schicht getrocknet. Bereits in Brasilien werden die Rohkaffees von den Partnern „Farmers Coffee“ sortiert und direkt im Kaffeesack im 50/50-Verhältnis gemischt, sodass sich die Feuchtigkeit optimal angleichen kann, bevor sie als Pre-Blend in der Rösterei geröstet werden.
Qualitätsanspruch der Kaffeemacher
Die Qualität des Compadre beruht auf Transparenz und direktem Kontakt. Die Kaffeemacher haben diesen Espresso gemeinsam mit ihren brasilianischen Partnern vor Ort entwickelt und überzeugen sich selbst vom engagierten Drive der jungen Kaffeebauern-Generation. Anstatt günstigen Füllkaffee zu verwenden, werden hier hochqualitative Arabicas und Conilons eingesetzt, die durch eine saubere Sortierung und Verarbeitung bestechen.
Warum ist der Säuregehalt so gering?
Der Compadre ist extrem säurearm – und das aus drei ganz konkreten Gründen:
- Der Röstgrad: Die Kaffeemacher rösten diesen Blend absichtlich heiss und beenden den Prozess erst kurz vor dem sogenannten „Second Crack“. Der Compadre hat die höchste Endtemperatur aller Kaffees im Sortiment der Rösterei, wodurch fast alle Fruchtsäuren abgebaut und die kräftigen Röstaromen betont werden.
- Die Botanik: Robusta-Bohnen (hier der Conilon) bringen von Natur aus weitaus weniger Säure mit als Arabica-Bohnen. Bei einem Anteil von 50 % wird die Grundsäure des Blends massiv reduziert.
- Die Aufbereitung & Anbauhöhe: Das Pulped-Natural-Verfahren bringt viel Süße in den Kaffee, was eine eventuelle Restsäure gut einbindet. Zudem entwickelt der Conilon auf 80 Höhenmetern ohnehin keine komplexen Säurenstrukturen.
Eigenschaften und Geschmacksprofil
In der Tasse steht der Compadre für einen schweren, cremigen Körper und enorme Intensität. Der Conilon liefert die Wucht, die Würze und leichte Tabak-Noten, während der Arabica die Sanftheit sowie viel Textur beisteuert.
Das geschmackliche Ergebnis ist typisch „Italian Style“:
- Sehr dunkle Schokolade
- Geröstete Nüsse (oft als marzipanartig beschrieben)
- Viel Würze und eine schwere, langanhaltende Crema
Der Compadre ist ein sehr verzeihender Espresso, der auf allen Maschinentypen (Siebträger, Vollautomat) leicht zu extrahieren ist. Empfohlen wird ein Bezugsverhältnis von 1:1,8 bis 1:2 in 25 bis 28 Sekunden, um die enorme Textur und die dunklen Schokoladennoten optimal in die Tasse zu transportieren.
